Mittwoch, November 05, 2008

katzenkrankengeschichten

wo fang ich an, wo hör ich auf...

gestern war ich mit Yoki wie angekündigt beim zahnarzt. der schaute nur flüchtig ins mäulchen und erschrak oh gott!; die helferin meinte charmant: der stinkt wie gully.

der stand 1 jahr nach der 1. op: zahnentzündungen wo man nur hinsieht (an den verbliebenen zähnen), zahnfleisch blutrot, rachen fleckig, rot und entzündet, an einem backenzahn liegt sogar schon die wurzel frei. mensch, das arme katzendings! ich mache mir vorwürfe, hätte ich das nicht schon viel eher sehen müssen? der kater ist verspielt, verkuschelt, verfressen wie immer, aber bei Yoki heisst das nix.
nächsten dienstag wird er definitiv in narkose gelegt und die zähne saniert, danach mindestens drei wochen antibiotika und natürlich schmerzmittel. der arzt meint, wir würden ja regelmässig zur kontrolle kommen, meinem gewissen machts das nicht besser.

die frage ist nun noch, wie es weitergeht. die rachenentzündung wird wohl bei 80% der katzen vom felinen calici-virus verusacht, der klassisch mit cortison und/oder interferon behandelt wird. möglicherweise könnte es aber auch schon nach 3 wochen AB weg sein. interferon kostet gespritzt pro behandlung im günstigsten fall 500 EUR, oral täglich verabreicht mit allem für und wider ca. 120 EUR. was ich von cortison halte, muss ich nicht erläutern, interferon ist auch nicht ohne. gespritzt kann es wohl massive nebenwirkungen bis zum zuschwellen der atemwege und entsprechender atemnot haben. derzeit gibt es die möglichkeit, an einer studie zur wirksamkeit von in flüssigkeit (öl? - ja, der widerspruch an sich ist teil der studie) gelöstem interferon teilzunehmen. Yoki würde während der narkose blut entnommen und ein abstrich gemacht, um 1. leukose auszuschliessen (letztes jahr negativ getestet) und 2. den virus nachzuweisen. erst wenn diese beiden vorausestzungen stimmen, kommt Yoki für die studie in frage und würde dann im 1. teil ein placebo oder cortison bekommen, im 2. teil interferon oder ein placebo. am dienstag zur op müssen wir bescheid geben, ob wir an der studie teilnehmen wollen oder nicht, da dann unter der narkose die entsprechenden befunde erhoben werden. schmerzmittel und AB würden dann auch von der studie finanziert, sind aber kostenmässig mit ca. 20 EUR nicht entscheidend.

frau dr. arias, die ich heute wegen Jamie anrief, meint man kann diese zahngeschichten und magenhitze (wie die ursache in der homöopathie benannt wird - sorry, falls ich mich falsch ausdrücke, korrigiert mich!) sehr gut alternativ behandeln. das kommt mir eigentlich sehr entgegen, denn die entsprechenden (sehr positiven) erfahrungen haben wir ja schon mit Jamie gemacht.

der plan sieht zunächst wie folgt aus: nächsten dienstag wird Yoki operiert, antibiotikum und schmerzmittel müssen danach sein, auch um die zahnsanierung kommt er einfach nicht drumrum. folgebehandlung erfolgt dann alternativ, dienstag übernächster woche fahre ich mit Yoki akut und Jamie im normalen rahmen zu frau dr. arias.

echt, ich mach mir sorgen um die kleine pappnase. ich kann den doch nicht jedes jahr in narkose legen lassen? allerdings versuche ich das positiv zu sehen und schaue mir Jamie an - wie gut der sich erholt hat und wie ziemlich rund - abgesehen von einigen pieselattacken - der mit sich ist.

so. sorry, das war jetzt ein langer post, aber es dient auch für mich zur dokumentation.



ich staune, wie schnuffig, entspannt und verkuschelt der zwerg trotz allem ist - dieses foto ist nur ein paar tage alt und gibt den täglichen zustand auf der abendlichen sofarunde wider.

bitte ein bisschen daumen drücken für uns, wir können das grad gut brauchen! meinungen und infos sind ausdrücklich erwünscht!

Kommentare:

Chnübli hat gesagt…

Warum nicht einfach die Zähne ziehen? Katzen leben sehr gut auch ohne Zähne und Du ersparst Dir zum einen die enormen Kosten um zum anderen die vielen Nachbehandlungen. Für uns Menschen klingt das nach einer Brutalomethode, aber ich habe schon so viele glückliche Katzen ohne Zähne gesehen. Aber die Erfahrung zeigt, dass die meisten Besitzer das schwer nachvollziehen können. Ist wie bei der Amputation (zB wegen Knochentumoren): das verkraften Katzen auch ohne Probleme aber es gab immer wieder Besitzer die die Katzen lieber euthanasieren liessen, weil sie keine 3-beinige Katze zu Hause wollten.

Ist natürlich schwer das einfach so zu entscheiden und der Kollege ist sicher Experte auf dem Gebiet und auch die Therapie mit AB und Schmerzmitteln ist völlig in Ordnung und geht nicht ohne. Wie Du schon sagst ist Interferon sehr teuer, ich habe es persönlich nur einmal bei einer Tumorbehandlung eingesetzt, die Studien auf dem Gebiet sind aber sehr wichtig.
Solltest Du Fragen zur Studie haben, dann solltest Du den Studienleiter persönlich fragen dürfen, er soll es Dir nochmals genau erklären und sich Zeit nehmen dafür. Ich kann leider in Deinem Text den Zusammenhang Studie/Deine Katze nicht genau nachvollziehen.

Hat eine Zahnsanierung wirklich eine gute Prognose, dann würde ich da Geld dafür aufbringen, wenn ich Du wäre. Ist aber nicht sicher, ob das helfen wird, würde ich mal nachfragen, ob man die Zähne nicht einfach ziehen kann. Die Tierärzte machen sicher alles in ihrer Macht stehende für Dein Tier. Schlussendlich aber ist es Deine Katze, Deine Entscheidung, Dein Geld.

Cecie hat gesagt…

vielen vielen dank, liebe chnübli, für deinen kommentar!

ich habe mich missverständlich ausgedrückt. bei der 1. op letztes jahr wurden Yoki 11 (kleine) zähne gezogen; ich gehe davon aus, dass diesmal die restlichen dran sind. da er ein problem mit zahnfleischrückgang hat, wäre es günstig, wenn man ein paar zähne hätte erhalten können, aber ich bin mir sicher, dass diesmal nicht viele bleiben werden. mit der paradontitis werden wir wohl auch mit ohne zähne immer wieder zu tun haben... ich habe mit einem Yoki ohne zähne kein problem, ich weiss, dass das kein problem mit dem futter gibt und wenn das die entzündungen und damit die heftige belastung für den körper reduziert: sofort! die zahnsanierung/zähne ziehen wird ohne frage gemacht, ich kann das tier ja nicht so rumlaufen lassen.

weitere infos zur studie waren nicht zu kriegen, nichtmal schriftliches papier. das schreckt mich eher ab. studien sind sicher sinnvoll, aber meine katze ist kein versuchskaninchen. wenn ich eine andere therapie für sinnvoller halte, dann gibts eine andere. es ging in der studie um den calici-virus, der die rachenentzündung evt. verursacht und die wirkung des oral verabreichten, flüssig gelösten interferons.

fakt ist: es wird gemacht, was für das tier am besten ist, egal was es kostet. für mich ist die hauptsächliche frage: wieviel klassische und wieviel alternative medizin machen wir, und in welcher kombination. ich weiss nicht wie du dazu stehst, ich weiss nur, welche erfahrungen ich bisher gemacht habe.

liebe grüsse und nochmals vielen dank, das ist sehr hilfreich für mich.

Chnübli hat gesagt…

Ich verstehe die alternative Medizin lieber als "komplementär". Dieser Begriff trifft es viel besser. Kein Schulmediziner sollte sich diesen Behandlungsmethoden verschliessen! Es kann das eine nicht alles schlecht sein und das andere dafür alles gut. Beide haben ja zum Ziel: dass das Tier so schnell wie möglich gesund wird und funktional wieder alles hergestellt wird.

Studien, wie ich sie kenne vom Tierspital Bern, informieren den Besitzer stets korrekt und geben die wichtigsten Punkte in einer Broschüre den Besitzern mit. Ausserdem ist zumindest immer eine Doktorandin als Ansprechperson erreichbar per Email. Da wenig Forschungsgelder gesprochen werden, könnte man sich das gar nicht leisten, potentielle Studienteilnehmer derart schlecht zu betreuen, wie Du das beschreibst. Unerklärlich, dieses Vorgehen.

Auf alle Fälle alles Gute Dir und Deinen Tieren!

kelef hat gesagt…

meine frau hunt kriegt jedes jahr eine zahnkontrolle mit vollnarkose, ggfls. zahnsteinentfernung. plomben polieren (sie hat drei plombierte zähne), evtl. zahntaschen mit laser sanieren.

gleichzeitig analdrüse ausräumen, generalcheck, jahresimpfungen.

bei der hysterischen und in der zwischenzeit auch terischen (=wienerisch für taub) alten dame ist das die einfachste und nervenschonendste methode. nach einer stunde oder so kriegt sie eine aufwachspritze und geht erschöpft nach hause.

weh tut nur die eine narkoseinjektion, den rest merkt sie nicht, und beim hund ist zähne anschauen sowieso ein lotteriespiel. sie hat schon viele operationen und krankheiten und so gehabt in ihrem leben, die hysterie (trotz hysterektomie = kastration) wird ihr verziehen.

ach ja, und sie ist in der zwischenzeit ca. fünfzehneinhalb jahre alt oder älter, seit vierzehneinhalb jahren lebt sie bei mir. narkoseprobleme hatten wir noch nie, und die kreislaufbelastung durch narkose ist ungleich niedriger als die durch längere aufregung.

nix als zores mit den kindern, ich sag ihnen. und halte ihnen die daumen. ansonsten kann ich mich chnübli nur anschliessen.